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 Inhalt und Kritik
 
 

33 KurzStücke für 3 Klaviere und einen Pianisten (1999) 18´00

Ernst Breidenbach/Klavier(e)/piano(s)


Birkenau (1997) 12´11

(Auftragskomposition des Hessischen Rundfunks)

Rüdiger Jacobsen/Carina Vogel/Flöte/flute

Stefan Bartmann/Markus Hoßner/Uta-Mirjam Theilen/Klarinette/clarinet

Nicole Tait/Fagott/bassoon

Felix Winker/Ozan Cakar/Horn/horn

Michael Feldner/Trompete/trumpet

Uwe Dierksen/Iven Hausmann/Posaune/trombone

Sasha Johnson/Tuba/tuba

Hans-Peter Schulz/Orgel/organ

Ernst Breidenbach/präpariertes Klavier/prepared piano

Rainer Römer/Schlagzeug/percussion

Franck Ollu/Leitung/conductor


Gewalt! - Gewalt? (1988) 8´10

Carola Schlüter/Sopran/soprano

Armin Gottstein/Sprecher/voice

Reinhold Finkbeiner/Hans-Peter Schulz/Orgel 4 hdg./organ 4 hands

Elke Saller/grosse Trommel/big drum



Von Anfang an suspekt (1996) 20´56

(Live-Mittschnitt/live recording)

hr-Sinfonieorchester

Markus Theinert/Solo-Tuba/solo-tuba

Ernst Breidenbach/Klavier/piano

Lucas Vis/Leitung/conductor


Geniale Außenseiter

CD-Tip - Der Pianist Ernst Breidenbach aus Darmstadt spielt Finkbeiner und Karg-Elert

DARMSTADT. Der 1929 geborene Frankfurter Komponist und Organist Reinhold Finkbeiner ist ein Unbequemer, der durch seine Musik verstören kann. Ein klingendes Porträt mit Werken aus den neunziger Jahren unter Mitwirkung von Ernst Breidenbach, dem an der Darmstädter Akademie für Tonkunst lehrenden Pianisten, beginnt mit "33 Kurzstücken für 3 Klaviere und einen Pianisten", bei denen Breidenbach gleichzeitig auf einem Konzertflügel, einem präparierten Klavier und einem Wirtshauspiano befremdliche und doch faszinierende Klänge erzeugt. Die Stücke "Birkenau" und "Gewalt! - Gewalt?" rufen auf beklemmende Weise die dunkelste Zeit deutscher Geschichte in Erinnerung. Zwei Kammerensembles spielen hier auf das Mädchenorchester im KZ Birkenau und auf das zynische Tagebuch des Joseph Goebbels an. "Von Anfang an suspekt" ist eine beschädigte Festmusik, die, komponiert zur 800-Jahrfeier der Stadt Heidelberg, den üblichen Fanfaren- und Hymnenjubel ad absurdum führt. Das HR-Sinfonieorchester spielt unter Lucas Vis, Ernst Breidenbach (Klavier) und Markus Theinert (Tuba) sind die kompetenten Solisten. ...

Darmstädter Echo, 10/2007


Beredtes Schweigen

... Vier Werke sind auf dieser Auswahl versammelt, und in den meisten ist der Darmstädter Pianist Ernst Breidenbach einer der Hauptakteure. Die Verbreitung des Werkes von Reinhold Finkbeiner liegt Breidenbach sichtlich am Herzen - und diese Zusammenarbeit trägt spannende Früchte, wie die 33 Kurzstücke für drei Klaviere und einen Pianisten beweisen. Breidenbach sitzt hier in der Mitte von drei Klavieren - einem modernen Konzertflügel, einem präparierten Instrument und einem verstimmten Wirtshausklavier - die er teils gleichzeitig auf akrobatische Art und Weise bedient. ...

... Bei aller persönlichen Schweigsamkeit bewegt Reinhold Finkbeiners Musik und wühlt im Innersten seelischer Befindsamkeiten. Behaglich wird es den Zuhörern kaum, aber die Steine des Anstoßes, die Finkbeiner in seinen Stücken ständig platziert, braucht es gerade heute immer dringender. ...

www.klassik.com, 05/2007


Widerspenstig

Auch als Organist und Kirchenmusiker der Frankfurter Peterskirche war Reinhold Finkbeiner zeitlebens ein kritischer Geist und Querdenker, der gerade aus der Distanz zum Musikbetrieb seine Schaffensimpulse bezog. Einen instruktiven Einblick in die eminent politische Haltung des einstigen Protagonisten der Darmstädter Avantgarde-Szene, von dessen subversivem Charme sich so manch junger Komponist eine Scheibe abschneiden könnte, gewährt diese hochkarätig besetzte Produktion.

Randvoll mit geistreichen Anspielungen und expressiven Gesten präsentieren sich die "33 Kurzstücke" für drei Klaviere, ein dennoch einsätziges Patchwork, dessen Akrobatik Ernst Breidenbach zwischen Flügel, "prepared piano" und verstimmtem Wirtshausklavier mit Bravour meistert. Trotz aller Virtuosität im Umgang mit expressiven Versatzstücken bezeugen "Birkenau" (in geradezu naturalistischer Simulation von Lagerorchester und Barackenelend) und "Gewalt!-Gewalt!" (mit eingestreuten Göbbels-Zitaten), dass die menschliche Existenz ein Hauptthema der Musik Finkbeiners ist. Sie verleihen dem Schrecken des Holocaust jenseits aufgesetzter Bekenntnishaftigkeit Gehör und bedienen sich dabei gekonnt Prinzipien der Collage.

Dass Finkbeiner sich grundsätzlich fern sicherer Stil-Terrains bewegt, um sich lieber am Abgrund aufzuhalten, daran lässt auch "Von Anfang an suspekt" keinen Zweifel, eine Art Konzert für Tuba und Klavier zwischen massiven Tutti-Ausbrüchen und introvertierter Kammermusik, dessen explosive Materialmischungen und einkomponierte Verstörungen vom Orchester des Hessischen Rundfunks klangsatt und expressiv nachvollzogen werden.

FonoForum, 07/2007

 

Reinhold Finkbeiner (1929)

Cadenza 800856/Hessischer Rundfunk

 

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